Gespräch mit einer Ärztin
Nach meiner Fehlgeburt und der fehlenden Aufklärung meiner Ärztin über den Ablauf habe ich mit einer anderen Ärztin telefoniert. Ihr konnte ich Fragen stellen und sie gab mir Infos, die ich hier zusammengetragen habe.
Ganz wichtig ist, dass auch diese Ärztin mir versicherte, dass ich keinerlei Schuld an der Fehlgeburt habe. Der Embryo/Fötus stirbt NICHT durch die Schuld der schwangeren Person, sondern meist, weil er nicht lebensfähig ist.
Sie wunderte sich zunächst über den Begriff „natürliche Fehlgeburt“, der anscheinend nur im Internet verwendet wird. Die verhaltene Fehlgeburt – also den Zustand, wenn der Embryo/Fötus gestorben und noch im Bauch ist – bezeichnet sie als Missed Abortion, die Geburt bzw. den Abgang als abortus complettus. Sie selbst begleitet Fehlgeburten und führt Abtreibungen durch und verabreicht in beiden Fällen zur Wehenförderung Cytotek. Sie führt keine Ausschabungen durch, die etwa in 50 Prozent der Fälle noch trotz erhöhter Verletzungsrisiken durchgeführt werden. Gerade wegen dieser Risiken, die zu Unfruchtbarkeit oder verminderter Fruchtbarkeit führen können, führt sie selbst nur Absaugen durch und verabreicht Cytotek. Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto weniger muss davon verabreicht werden.
Sie versicherte mir immer wieder, dass ich mir nach einem Abgang, also einer Fehlgeburt überhaupt keine Sorgen machen muss, dass etwas nicht stimmt oder ich kein Kind bekommen kann. Jede 3.–4. Schwangerschaft endet in einer Fehlgeburt und erst ab der dritten oder vierten Fehlgeburt liegt aus medizinischer Sicht eine Auffälligkeit vor, die weitere Untersuchungen erfordert. Eine oder mehrere Fehlgeburten sind also (leider) ganz normal. Meine Wahrscheinlichkeit, wieder schwanger zu werden und ein lebendes Kind zu gebären sei durch die Fehlgeburt nicht verringert, vor allem auch, weil ich keine Ausschabung bekommen habe.
Zum Ablauf der Geburt habe ich folgende Infos bekommen: Während des Wartens auf den Abgang, also während der verhaltenen Fehlgeburt, soll man keinen Alkohol trinken. (Ich wusste das damals nicht und habe es trotzdem gemacht, es ist nichts passiert.) Sie gab mir außerdem die Info, dass man in dieser Zeit nicht ins Schwimmbad oder die Badewanne gehen soll und keinen Sex haben soll, wegen einer erhöhten Infektionsgefahr. Meine andere Frauenärztin meinte jedoch, das sei veraltet und ich dürfte alles machen. In der Zeit der verhaltenen Fehlgeburt wächst außerdem die Plazenta weiter, auch wenn der Embryo/Fötus schon gestorben ist. Daher wird die kleine Geburt heftiger, je länger man auf den Abgang wartet. Auch deshalb empfiehlt sie die Unterstützung durch Cytotek. Da meine verhaltene Fehlgeburt in der 8. SSW passierte und die kleine Geburt erst in der 11., war es laut dieser Ärztin völlig normal, dass die Geburt so heftig war, und meine andere Ärztin hätte mich darauf vorbereiten müssen. Jedoch ist es auch ganz anders möglich, denn die kleine Geburt kann von einer Blutung ohne Schmerzen bis hin zu starken Wehen über mehrere Stunden reichen. Auch Übergeben sei während der kleinen Geburt häufig. Währenddessen sind außerdem Schmerzmittel ausdrücklich erlaubt, wodurch die starken Schmerzen natürlich sehr gelindert werden können. Es sei außerdem wichtig, regelmäßig die Blase zu leeren, da sich so die Gebärmutter besser zusammenziehen kann und man weniger Blut verliert. Wenn man also zu schwach ist, um regelmäßig auf Klo zu gehen, kann es gefährlich werden und man sollte in Krankenhaus.
Für eventuelle weitere Schwangerschaften ist außerdem interessant, dass der Muttermund, nachdem er durch die kleine Geburt schon einmal geöffnet war, sich bei der ersten großen Geburt schneller öffnen wird und die Geburt daher im Durchschnitt schneller geht. Sie sagte daher auch: „Eine Schwangerschaft ist manchmal nötig, um das Nest richtig vorzubereiten.“